Thailand: River Kwai und Sukhothai gehören zu den Top-Attraktionen

Zwei Tage zwischen Todesbahn und Königstempel, 
Krieg und Frieden, Gut und Böse.

Es ist die Hölle. Unbarmherzig angetrieben von einer gnadenlosen Soldateska schinden sich Kulis und Kriegsgefangene im heißen Dschungel Südostasiens buchstäblich zu Tode. Schlagen mit Spitzhacken und Hämmern Schneisen und Schluchten durch massiven Fels. Verlegen Meter um Meter Schwellen und Gleise in schwierigstem Gelände. Türmen haarsträubende Holzgerüste auf zu abenteuerlichen Schienenwegen. Vegetieren unter verheerenden Bedingungen in Bambusbaracken und sterben wie die Fliegen: Erschöpft. Verdurstet. Verhungert. Erschlagen von Felstrümmern. Zerrissen von Dynamit. Weggerafft von Malaria, Cholera, Diphterie, Ruhr. In nur einem Jahr krepieren 90.000 asiatische Zwangsarbeiter und 16.000 kriegsgefangene Briten, Holländer, Australier und Amerikaner – beim Bau der berühmt-berüchtigten Todesbahn.

Dieses grauenhafte Kapitel japanischer Kriegsverbrechen beginnt 1942. Der Stab der Invasionsarmee beschließt kurzfristig den Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Birma und Thailand – als Verbindungsstück zwischen Singapur und Hinterindien. Binnen eines Jahres soll die 415 Kilometer lange Trasse fertig sein – das geht nur mit Heerscharen rechtloser Arbeitskräfte, brutaler Hetze und sadistischer Grausamkeit. Als im Oktober 1943 die ersten Züge über die Brücke am Kwai rollen, ist der Krieg in Südostasien für die Japaner allerdings schon so gut wie verloren. 1945 wird sie bombardiert und zerstört, die Strecke nach dem Krieg größtenteils demontiert.

Trotz alledem: Die heutige eiserne Brücke am Kwai ist die Attraktion im westlichen Zentralthailand. Inklusive Zugfahrt. Diese Popularität verdankt sie ganz wesentlich Hollywood. Nach einem Roman produzierte Sam Spiegel, ein jüdischer Emigrant aus Berlin, 1956 den Monumentalstreifen „Die Brücke am Kwai“, der zum Welterfolg wurde und sieben Oscars abräumte. Unter anderem für die Filmmusik; den „Colonel Bogey March“ der englischen Kriegsgefangenen zum Beispiel kennt auch bei uns jedes (ältere) Kind – aus der Underberg-Werbung.

Heute windet sich die Todesbahn auf einspuriger Strecke 77 Kilometer weit nach Nordwesten. Passiert Zuckerrohrplantagen, Bananenstauden, Reisfelder. Taucht dann ein in die dicken Vorhänge des Dschungels, die ab und an den Blick freigeben auf den lehmgelben Kwai-Yai-Fluss und die Berggipfel am anderen Ufer. Der Zug rattert vorbei an Höhlen mit Buddha-Statuen und klappert schließlich kurz vor der heutigen Endstation Nam Tok im Schritttempo über das spektakulärste Streckenstück: das hölzerne Viadukt. Eine 500 Meter lange Konstruktion zwischen Fluss und Steilwand, die am Fels förmlich zu kleben scheint. Hochgezogen unter primitivsten Bedingungen von den Zwangsarbeitern – kaum vorstellbar aus heutiger Sicht. An deren Schicksale wird hier übrigens auch erinnert: Unweit der legendären Brücke dokumentiert das Jeath War Museum das Elend der Kriegsgefangenen in einer rekonstruierten Camp-Baracke.

Eine Tagesreise weiter nördlich. Die Szenerie wechselt und zwar radikal. Uralte Bäume mit monströsen Wurzeln umarmen vernarbte Tempelruinen. Teiche mit Lotosblüten spiegeln angegraute Buddhas und rostbraune Chedis – so nennen die Thai jene nach oben spitz zulaufenden Reliquienschreine, die in anderen buddhistischen Ländern Dagoba oder Stupa heißen. Alles ziemlich ramponiert durch diverse Kriege und so kräftig angenagt vom Zahn der Zeit, dass eine vollständige Wiederherstellung des Stadt-Ensembles nicht mehr möglich ist. Aber genau darum auch ist Sukhothai ein faszinierend authentischer Schauplatz. Und ganz nebenbei eine wundervoll kontrastierende Bühne für die safrangelb gewandeten Mönche, die auf nackten Sohlen von Heiligtum zu Heiligtum pilgern.

Eine ganz und gar friedliche Welt mit harmonischer, ja fast spiritueller Atmosphäre und einer der wichtigsten Orte in Thailand. Denn Sukhothai ist nichts weniger als die Wiege des Landes. Damals, vor 800 Jahren, verbündeten sich einige Thai-Fürsten gegen das im Verfall begriffene Khmer-Reich, lösten Sukhothai aus dem Staatenbund heraus und machten es 1228 zur Hauptstadt ihres eigenen Königreichs Siam. Zwei Generationen später übernahm König Rama Khamhaeng die Macht. Ein enormer Glücksfall: Der junge Herrscher sorgte mit freiem Handel, guter Infrastruktur und geschickter Außenpolitik für ein stabiles, blühendes und glückliches Gemeinwesen. Er erhob den Theravada-Buddhismus zur Staatsreligion, entwickelte aus den Zeichen der Khmer die erste Thai-Schrift und inspirierte ein reichhaltiges Geistesleben, das zur Grundlage einer eigenständigen Thai-Kultur werden sollte. Deutlich sichtbar wird das in Sukhothai etwa an den Buddhas. Egal, ob der Erleuchtete sitzt oder steht, egal, ob er Menschengröße hat oder Monumentalmaß, alle Statuen sind künstlerisch hochwertig und wirken extrem harmonisch. Weitere Details gefällig? Fragen Sie Ihren Reiseleiter!

Das in fünf Zonen eingeteilte Unesco-Welterbe ist so riesig, dass man am besten ein Fahrrad nimmt für ein ausgiebiges und vor allem bequemes Sightseeing. Rund 200 Tempelruinen sind hier noch erhalten, ihre Stars sind der Königstempel Wat Mahathat, das wichtigste Heiligtum der alten Hauptstadt. Der im Khmer-Stil errichtete Wat Si Sawai mit drei hinduistischen Tempeltürmen. Und der Wat Sri Chum mit einem Riesenbuddha im Meditationssitz, dessen elegant über dem Knie abgelegte rechte Hand mit den vergoldeten Fingernägeln allein so groß ist wie ein ausgewachsenes Mannsbild. Und nicht nur bei ihm und nicht nur als Buddhist beschleicht einen an diesem Ort das beglückende Gefühl: In Sukhothai bin ich dem Himmel ganz nah.

Hintergrund

An- und Einreise: Mit Thai Airways von Frankfurt nach Bangkok (ab 630 Euro, Flugzeit 12 h); kein Visum nötig

Beste Reisezeit: Ab November ist das Land grün, die Luft klar, selten mehr als 30 Grad. Ab Februar wird es wärmer, April/Mai können richtig heiß werden

Währung: Baht (1 Euro aktuell 33 THB) können in Banken und vielen Hotels getauscht, in größeren Städten auch mit Kreditkarte an Bankautomaten abgehoben werden

Gesundheit: Keine Impfungen nötig. Reiseapotheke: Mittel gegen Durchfall und Erkältungen, Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor

Reiseführer: Dumont Reisehandbuch „Thailand“ (24,99 Euro)

Pauschalreisen: Eine 12-Tage-Privatreise „Thailand umfassend“ gibt es bei Gebeco ab 1655 Euro (ohne Flug)

River Kwai und Sukhothai: Beides ist praktisch in jeder Nordthailandrundreise enthalten. Für individuelle Besuche, zum Beispiel von Bangkok aus, gibt es ausführliche Infos im Netz bzw. Touren bei lokalen Anbietern

Allgemeine Auskünfte: www.thailandtourismus.de, www.gebeco.de