Coronavirus: Containerstau auf dem Weg nach Asien

FRANKFURT. Nach einem erfolgreichen Jahr 2019 zerstört die Corona-Epidemie Wachstumsfantasien der Fleischexporteure. Globale Lieferketten werden brüchig.

Hersteller von Fleischprodukten suchen in diesen Tagen händeringend Kühlcontainer. Die Boxen hängen in chinesischen Häfen fest. Nach dem chinesischen Neujahrsfest kehrten viele Hafenarbeiter nicht an ihre Arbeitsplätze zurück. Das Personal reicht meist nur dazu aus, die ankommenden Schiffe zu entladen. Die Abfertigung für den Weitertransport ist kaum noch möglich. Einige Häfen konnten wegen Überfüllung nicht mehr angefahren werden.

Die schwierige Lage beschreibt Bernhard J. Simon vom rheinland-pfälzischen Schlachtunternehmen Simon-Fleisch: „Es kam zum Beispiel vor, dass Container von uns mit Ziel Shanghai stattdessen im Hafen von Singapur zwischengelagert oder in anderen, weit entfernten chinesischen Häfen abgeladen wurden.“ Weil viele Container in China gebunden sind und nicht nach Europa zurückkehren, ist das Angebot in Deutschland inzwischen stark geschrumpft.

400 Schiffe aus dem Dienst genommen

Probleme bei den Containertransporten bestätigt auch Dr. Burkhard Lemper. Der Geschäftsführer des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik Bremen stellt fest, dass die internationalen Reedereien auf das niedrigere Transportaufkommen reagiert haben und schon Mitte Februar fast 400 Containerschiffe stillgelegt wurden, darunter sehr viele große Schiffe, um Betriebskosten zu senken. Dies entspreche knapp neun Prozent der gesamten Transportkapazitäten in der Containerschifffahrt auf den Weltmeeren. Die Zahl der inaktiven Containerfrachter sei so hoch wie noch nie, verdeutlicht der Wissenschaftler den Ernst der Lage. Zudem würden viele aktive Schiffe nur teilweise ausgelastet. Wann die Boxen nach Deutschland zurückkehren, lasse sich nur schwer vorhersagen, aber selbst kurzfristig auf den Weg gebrachte Schiffe brauchen zumindest vier Wochen für ihren Weg nach Europa.