Roller-Taxi per App: Schneller durch Indonesiens verstopfte Straßen PDF Drucken E-Mail
Sonntag, den 14. Februar 2016 um 11:08 Uhr
alt

Von Ahmad Pathoni, dpa

Mit dem Smartphone können sich Indonesier in ihren überfüllten Großstädten fix ein Taxi rufen - und zwar eins auf zwei Rädern. Für Frauen gibt es einen Extra-Service. Aber was tun, wenn der Fahrer müffelt?

Wer in den verstopften Großstädten Südostasiens schnell durch den Verkehr kommen will, braucht einen Motorroller - oder lässt sich von einem mitnehmen. Zahlreiche Taxi-Unternehmen mit Smartphone-App sind in Indonesien aus dem Boden geschossen, getreu dem Vorbild Uber, nur für zwei Räder. Einige von ihnen werben mit besonderen Versprechen um Kunden - sei es eine sichere Fahrt nur für Frauen oder garantiert geruchsfreie Fahrer.

Mit rund 250 Millionen Menschen ist Indonesien das bevölkerungsreichste Land der Welt mit muslimischer Mehrheit. «Manche Frauen fühlen sich nicht wohl dabei, mit einem Mann auf dem Motorroller zu fahren», sagt Agus Edy vom Unternehmen Ojek Syari, das nur muslimische Frauen mit Kopftuch einstellt. Mitfahren dürfen aber Frauen jeder Religion. «Morgens muss ich oft Aufträge absagen, weil ich als Hausfrau auch daheim beschäftigt bin», sagt Fahrerin Indari Santika. Viele ihrer Kolleginnen in den blauen Jacken seien aber alleinerziehende Mütter. «Für sie ist das ihr einziges Einkommen.»

Auch die 2500 Fahrerinnen von der Konkurrenz LadyJek nehmen nur Frauen mit. «Als ich herausgefunden habe, dass ein Auftrag von einem Mann kam, habe ich mich geweigert, ihn mitzunehmen», sagt die 30 Jahre alte Fahrerin Cut Mutia. Nach Fällen von Vergewaltigungen in öffentlichen Kleinbussen sind viele Frauen besorgt, wenn sie nachts allein unterwegs sind.

Pendler in Jakarta verbringen einer Studie zufolge zwei Stunden täglich im Verkehr, knapp zehn Millionen Menschen leben dort. Wegen der verstopften Straßen und des Mangels an öffentlichen Verkehrsmitteln sind viele indonesische Großstädter schon auf den Roller umgestiegen - so ist auch der Markt für die zweirädrigen Bestell-Taxen, die «Ojeks», gewachsen.

Vorreiter und Marktführer ist Go-Jek, das mittlerweile landesweit rund 200 000 registrierte Fahrer mit knallgrünen Jacken und Helmen hat. 2011 gründete Nadim Makarim das Unternehmen, nachdem er selbst täglich im Stau stand. «Das Verkehrsproblem in Jakarta wird zur echten Krise», sagt der Unternehmer. Im Dezember hatte das Verkehrsministerium die app-basierten Angebote verboten - doch nur Stunden später ruderte Staatspräsident Joko Widodo zurück. Der öffentliche Aufschrei war zu groß, denn ein wendiges Bike kommt besser durch die Straßen als ein schwerfälliges Auto. Das Unternehmen GrabTaxi etwa war bis vor kurzem nur mit Autos am Markt, drängt mit GrabBike aber nun auch in das Roller-Geschäft.

«Ich liebe die Freiheit des Fahrens, aber manchmal ist die Hitze einfach zu viel», sagt LadyJek-Fahrerin Cut Mutia. Mit einem Schal wischt sie sich an einem stickig-heißen Tag den Schweiß von der Stirn. Doch die Temperaturen können auch für die Passagiere unangenehme Folgen haben: Sie können kaum entkommen, wenn ihr Fahrer müffelt. Eine Lösung bietet das Unternehmen UberJek - es stellt nur wohlriechende Fahrer ein und überprüft das mit professionellen Schnüfflern. «Viele Ojek-Passagiere haben sich über den Körpergeruch ihres Fahrers beschwert», sagt Gründer Aris Wahyudi. Daher geht UberJek, nicht verbandelt mit dem globalen Unternehmen Uber, auf Nummer sicher.

Fahrer David Kuswanto beschreibt seinen Auswahltest: Die Bewerber mussten sich dicht gedrängt in einem Keller ohne Klimaanlage sammeln, damit sie ins Schwitzen kamen. Manche Bewerber hätten auf Parfüm oder Dufttücher gesetzt, um die Prüfung zu bestehen. «Ich habe nichts benutzt», sagt Kuswanto. «Ich war selbstsicher, denn vor der Bewerbung habe ich meine Frau und Kinder gefragt, ob ich ein Problem mit Körpergeruch habe. Sie haben gesagt, dass alles okay ist.»



Über AdriaMediaGroup:

Seit 1999 bilden Online-Magazine das Fundament unseres Unternehmens. Dank unser regelmäßigen Markt- und Zielgruppenanalysen kennen wir unsere Leserinnen und Leser sehr gut und wissen genau, was diese von unseren Magazinen erwarten. Mit renommierten Nachrichtenagenturen wie dpa und AFP ergänzen wir die uns zur Verfügung stehenden Informationsquellen aus Politik und Wirtschaft. Stetig entwickeln wir unsere Magazine weiter und kreieren immer wieder neue Online-Magazine, die speziell auf das entsprechende Marktumfeld angepasst sind. Ob das kleine Nischenmagazin, ein Wirtschaftsjournal im Internet oder ein Tageszeitung im Internet. Mit über 45 Millionen Seitenaufrufen pro Monat (quelle: PIWIK September 2016), zeigt sich dass unsere aktuellen Magazine vom Publikum sehr gut angenommen werden. In den 17 Jahren unserer verlegerischen Tätigkeit mussten wir uns bis heute weder einem Abmahnverfahren stellen noch jemals einen Widerruf veröffentlichen. Entgegen anderer Verlage basiert unsere Berichterstattung auf seriöser Recherche und reinen Fakten. Wir sehen in grundsolider Berichterstattung auch heute noch die Zukunft unserer Arbeit.

Die AdriaMediaGroup ist seit 1999 auf dem internationalen Markt tätig. Derzeit publiziert die ADMG auf dem deutschsprachigen Markt über 80 Online-Magazinen aus unterschiedlichsten Themenbereichen. Alle Zeitschriften werden von unserem eigenem Redaktionsteam regelmässig aktualisiert.