Singapur und Dubai testen fliegende Taxis

Mit fliegenden Taxis beschäftigen sich Tüftler und Techniker seit langem. Nun gehen sie tatsächlich in die Luft – in Dubai und in Singapur. Das könnte die überfüllten Straßen entlasten.

Mit seiner hohen Stirn, dem dunklen Anzug und der Brille wirkt Pang Kin Keong wie ein typischer Karrierebeamter. Der heutige Staatssekretär im Transportministerium Singapurs hat im vergangenen Vierteljahrhundert auch schon im Dienste der inneren Sicherheit, der Justiz und des Büros des Ministerpräsidenten gestanden. So einer denkt in Aktenordnern und schlägt die Hacken zusammen, wenn das Telefon auf dem Schreibtisch klingelt, könnte man meinen. Weit gefehlt. Denn Pang ist ein Visionär.

Der 51 Jahre alte Manager, der in Frankreich Elektrotechnik studierte und dann auf die London School of Economics wechselte, bevor er in den lukrativen Dienst des asiatischen Stadtstaates eintrat, reckt seinen Kopf immer wieder aus dem Beamtendschungel der Tropenmetropole heraus. So kündigte er jüngst wie nebenbei an, dass der südostasiatische Stadtstaat in den nächsten Monaten mit Tests von Flugtaxis beginnen wird. Ein Märchen? Nicht, wenn man Pang kennt.
Denn der steht auch schon dem Komitee für das autonome Fahren in Singapur vor. Und das treibt es ziemlich weit: Durch das Universitätsviertel kurven fahrerlose Taxis auf ausgewählten Strecken, durch den zweitgrößten Hafen der Welt werden Container auf ferngesteuerten Lafetten transportiert. Nun folgen also bald Drohnen, die Menschen nach der Uni zum Einkaufen fliegen, oder Lufttaxis, die einen sonntags am Strand absetzen.

Lufttransport bald Alltag?

„Sie können Ihr Geld darauf verwetten, dass 2030 der Transport durch die Luft ein Teil der städtischen Mobilität sein wird“, sagt der Spitzenbeamte. „Die öffentliche Meinung schwenkt vom Besitz des Transportmittels hin zur Verfügung über das passende Transportmittel, das man jeweils braucht.“ Dieses Transportmittel könnte in wenigen Monaten schon aus China, Deutschland oder Russland kommen.

Denn Pang verweist auf drei Kandidaten für die Testreihen, die in diesem Sommer beginnen sollten: den Hoversurf Scorpion von einem russischen Start-up, das Patente in Amerika hält; den Volocopter VC 200, den der deutsche Entwickler E-Volo GmbH in Bruchsal „in ein paar Jahren für den Preis eines gehobenen Automobils anbieten“ will, und den Ehang 184 aus China, der einer großen Drohne mit acht Propellern und Kabine ähnelt. „Der Ehang wird die Fundamente des bisherigen Verkehrswesens erschüttern“, wirbt sein Erfinder Huazhi Hu.

Alternativen zum Auto werden gesucht

Warum aber soll er ausgerechnet die Tropeninsel erschüttern? Pang sieht es so: „Wir werden vor allem von zwei Faktoren getrieben: Wir besitzen nur eine beschränkte Landmasse und eine limitierte Anzahl von Arbeitskräften im Transportsektor – es ist schwer, Bus- oder Lastwagenfahrer zu finden. Auf Dauer ist für uns ein von Autos dominiertes Verkehrssystem nicht möglich. Unsere Straßen bedecken schon zwölf Prozent der Landmasse Singapurs, und dieser Wert wächst. Und wir zählen mehr als eine Million Autos.“

Es wäre ideal, sagt der Transportexperte, wenn der Privatbesitz von Automobilen sich erübrigen würde – auch wenn er in der automobilverrückten Stadt der Millionäre nicht daran glauben mag. Unter Hochdruck sucht die Stadt aber nach Alternativen zum Auto: Den Bus- und Bahnverkehr baut sie für Milliarden Dollar aus, selbstfahrende Taxis werden erprobt, Fahrräder sei kurzem verliehen – und bald kämen dann Flugdrohnen hinzu. Was Pang nicht sagt: Singapur profiliert sich mit aller Macht als Smart City, um attraktiv zu bleiben. Dank der straffen Führung der Tropeninsel kann die Regierung rasch jedes Gesetz, jede Verordnung erlassen – wie etwa auch schon in der Biomedizin geschehen. Das macht sie für Hightech-Versuche interessant.

Auch Airbus arbeitet an solchen Projekten

So visionär der Plan erscheint, Singapur steht nicht allein da. Sich eigenständig bewegende, fahrerlose Transportmittel aller Art sollen 2030 in Dubai schon ein Viertel aller Touren durch die Stadt ausmachen. Die Drohnen, die bis zu 100 Kilogramm transportieren können, sollen Menschen auf zuvor einprogrammierten Strecken fliegen. Die Routen werden von einem Kontrollzentrum am Boden gesteuert. Allerdings reichen die Batterien bislang nur für einen Flug von etwa 30 Minuten. Völlig offen sind auch noch Fragen der Sicherheit, der Preise oder der Orte für Start- und Landeplätze.

Doch nicht nur die Städte und einige Erfinder träumen von Flugtaxis, auch die großen Hersteller nehmen die Herausforderung an. Der europäische Flugzeughersteller Airbus arbeitet gleichzeitig an drei Projekten: In seinen Geheimlabors im Silicon Valley wird der Vahana, ein selbstgesteuertes Flugmobil entwickelt. Mitte des Jahres will Airbus den Paketversand mit Drohnen auf dem Campus der Nationalen Universität Singapurs ausprobieren. Er könnte in den "Transport von Fluggästen münden", hofft Airbus. Parallel dazu arbeitet der Konzern am City-Airbus: einer elektrisch betriebenen Großdrohne mit mehreren Propellern, die Fluggäste auf kurzen Distanzen fliegen kann. So lange, bis ein Staat – vielleicht Singapur – die Genehmigung für den Betrieb ohne Pilot erteilt, wird die Maschine noch von einem Flugzeugführer gesteuert werden. Gebucht werden soll der City-Airbus über eine App.

Flugtaxis werden den Verkehr in den Städten entlasten

Das Geschäftsmodell liegt auf der Hand: 2030 werden 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben, zehn Prozent mehr als heute. Zumindest die Besserverdiener aber wollen schneller ans Ziel kommen. Hochstraßen, auf denen sie gegen eine Mautgebühr über die Zurückgebliebenen in der verpesteten Luft am Boden hinwegbrausen, sind nur eine Zwischenlösung. Mit Flugtaxis wird der Verkehr in den Städten von jenen entlastet, die den wahrscheinlich hohen Preis für sie zahlen können, und ihr elektrischer Antrieb schlägt den Benzin- und Dieselverbrauch gerade der Luxuskarossen, auf die der überwiegende Teil der Automobilindustrie weiterhin setzt.

Bis zum robotergesteuerten Flug-Wasser-Straßen-Mobil, das Robbi und Tobbi einst durch ihre Kinder-Welt steuerten, wird es wohl noch eine Weile dauern. Glaubt man Singapurs Spitzenbeamten Pang allerdings, wird die Stadt schon bald einen großen Schritt in Richtung der fliegenden Wundermaschine Fliewatüüt machen, jenes futuristisch anmutenden Fluggefährts aus einem deutschen Kinderbuch, das vor ziemlich genau 50 Jahren in die Buchläden gekommen ist, ein Kassenschlager war und mehrfach verfilmt wurde. Damit würde die südostasiatische Metropole, die keinerlei Bodenschätze besitzt, einmal mehr zum technischen Vorreiter einer ganzen Entwicklung.



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