Nachbar filmt Männer beim Sex - nun drohen ihnen Stockschläge

In der indonesischen Region Aceh gilt die Scharia ebenso wie das nationale Gesetzbuch. Wegen ersterer drohen zwei schwulen Männern jetzt 100 Stockschläge. Obwohl solche Strafen in Indonesien offiziell nicht erlaubt sind.

"Sie haben gestanden", wird der Chef der Polisi Wilayatul Hisbah, der Scharia-Polizei in der indonesischen Provinz Aceh, vom "Belfast Telegraph" zitiert: "Auf der Grundlage unserer Untersuchungen können wir beweisen, dass sie das islamische Scharia-Gesetz verletzt haben."

Es geht um einen 20- und einen 23-Jährigen. Sie sind schwul. Das haben sie der Polizei in Aceh erzählt. In Indonesien wird Homosexualität meist toleriert, in den Metropolen gibt es Schwulen- und Lesbenszenen. Das Land ist mit mehr als 200 Millionen Moslems der größte islamische Staat der Welt und liberaler als die meisten anderen muslimische Staaten, auch wenn es in den letzten Jahren auch dort etwas konservativer geworden ist. "Doch die Region Aceh ist ein spezieller Fall", sagt Esther Hoffmann, ehrenamtliche Spezialistin für Indonesien von der Menschrechtsorganisation Amnesty International, dem stern.
108 Personen wurden 2015 in Indonesien mit Stockschlägen bestraft

Der Grund dafür ist ein Zugeständnis der Zentralregierung. Im Jahr 2005 gewährte sie der Region Aceh autonome Sonderrechte zu, um die jahrelange Auseinandersetzung mit den Separatisten zu beenden. Dazu gehörte auch ein strenges Auslegen der Scharia.

Im Oktober 2015 ist das Islamische Strafgesetzbuch offiziell in Kraft getreten. So drohen für Ehebruch, homosexuelle Handlungen und die öffentliche Zurschaustellung bis zu 100 Schläge mit den Stock. Und die Scharia-Polizei greift knallhart durch. Im Jahr 2015 wurden laut Amnesty International mindestens 108 Personen gemäß den Vorschriften der Scharia wegen Glücksspiels, Alkoholkonsums oder Ehebruchs mit Stockhieben bestraft.

Jetzt verhaftete die Polizei die beiden schwulen Männer. Ein Nachbar hatte die zwei beim Sex gefilmt und das Video der Polizei geschickt. Nun drohen ihnen jene 100 Schläge mit dem Stock. Sie wären die Ersten, die aufgrund ihrer Homosexualität mit dem Stock geschlagen werden würden.

UN kritisiert das Nicht-Eingreifen der indonesischen Regierung

Eigentlich ist diese Bestrafung offiziell nicht erlaubt, denn Indonesien ist Mitglied der Vereinten Nationen. Das Land muss sich daher an die seit 1987 geltende UN-Antifolterkonvention halten. Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlungen sind demnach als Bestrafung verboten.

Das weiß eigentlich auch die indonesische Regierung. "Sie greift nur nicht ein", sagt Esther Hoffmann. "Das Religionsministerium hält sich zurück. In Indonesien sind solche Strafen nicht erlaubt."

Bereits 2013 hatte die UN das Nicht-Eingreifen der indonesischen Regierung kritisiert. "Speziell in dem Fall der beiden Männer ist es ja sogar so, dass der Nachbar durch das Filmen in die Privatsphäre der Männer eingegriffen hat. Das wird aber strafrechtlich vermutlich nicht verfolgt. So etwas ist in Indonesien schon häufiger zu beobachten. Die Polizei übersieht oft Übergriffe durch die Bevölkerung und stattdessen werden nun die beiden Männer bestraft", so Hoffmann.



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