Luftfahrt boomt in Asien-Pazifik trotz alarmierender Mängel
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Von Christiane Oelrich, dpa

Die Luftfahrt boomt in Südostasien. Gleichzeitig macht die Region mit Unfällen, Wartungsmängeln, schlechter Ausbildung und maroder Infrastruktur Schlagzeilen. Bekommt die Branche die Kurve?

Die größte Luftfahrtmesse Asiens beginnt (16.2.) und die Branche frohlockt: die Asien-Pazifik-Region boomt, nirgends steigen die Passagierzahlen so rasant. In weniger als 20 Jahren wird sie nach den Prognosen von jetzt gut 30 auf 42 Prozent des weltweiten Passagieraufkommens wachsen. 2014 brach die Airshow in Singapur mit Aufträgen im Umfang von fast 30 Milliarden Euro alle Rekorde, und die Veranstalter rechnen wieder mit einem Riesengeschäft.

Doch bei allen rosigen Aussichten hat die Region Probleme. Airlines, Flughäfen und Regulierungsbehörden machen Schlagzeilen mit Wartungsmängeln, Ausbildungsmängeln, Sicherheitsbedenken. «Die Aufsichtsbehörden haben mit dem rasanten Wachstum bei Personal und technischen Kapazitäten nicht Schritt gehalten», sagt Jurist und Luftfahrtspezialist Alan Khee-Jin Tan von der Nationaluniversität Singapur. «Der Boom bedeutet, es gibt Engpässe nicht nur bei Piloten, sondern auch bei Wartungspersonal.» Zudem sei die Infrastruktur an zahlreichen Flughäfen völlig veraltet.

Billigflieger wie AirAsia, Tiger und Lion Air haben Südostasien - unter anderem mit Thailand, Singapur und Indonesien, ein Gebiet so groß wie die Europäische Union - in den vergangenen 15 Jahren kräftig aufgemischt. 23 Billigflieger haben schon fast 60 Prozent des Marktes, und sie haben 2015 allein 70 neue Flugzeuge in den Dienst gestellt. Ihre Flotte ist in drei Jahren um 50 Prozent gewachsen, auf 610 Maschinen, wie der Brancheninformationsdienst CAPA in Sydney berichtet. Auch die etablierten Linien bauen ihr Platzangebot aus.

In weniger als 20 Jahren dürften fast drei Milliarden Passagiere in der Asien-Pazifik-Region unterwegs sein, schätzt der Dachverband der Fluggesellschaften (IATA). Er zählt zu der Region neben Südostasien auch Indien, Australien, Neuseeland und die Pazifik-Inseln.

Unfälle decken aber alarmierende Zustände auf. Zum Absturz von AirAsia-Flug QZ8501 (162 Tote) trug Ende 2014 der Ausfall eines Instruments bei, mit dem im Jahr davor schon 23 Mal Probleme aufgetaucht waren. Dann reagierten die Piloten falsch. Die C-130, die im Juni in Sumatra abstürzt, war über 50 Jahre alt. Nach dem Absturz einer Trigana Air (54 Tote) in Papua im August 2015 räumte die indonesische Luftfahrtbehörde ein, dass ihre Navigationshilfen an Flughäfen völlig veraltet sind.

Das alles nach dem größten Rätsel der Luftfahrtgeschichte: Was passierte mit Malaysia-Airlines-Flug MH370? Die Maschine verschwand im März 2014 mit 239 Menschen an Bord auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking spurlos. Das Wrack ist bis heute nicht gefunden.

Bei den Faktoren, die 2014 zu Unfällen beitrugen, nennt die IATA für die in der Asien-Pazifik-Region beängstigende Zahlen: Mängel bei Aufsichtsbehörden: 48 Prozent. Mängel beim Sicherheitsmanagement: 36 Prozent, Mängel bei der Ausbildung: 17 Prozent. Schlimmer war es nur in den GUS-Staaten der Ex-Sowjetunion, bei deutlich weniger Passagieren.

Auch Thailand hat Nachholbedarf. Die UN-Luftfahrtagentur ICAO rügte die Kompetenz der Flugaufsichtsbehörde und im Dezember stufte die US-Flugaufsicht Thailand in ihrer Liste sicherer Länder herab. Einen nötigen Weckruf nennt das Pichaya Waithayak, Luftfahrtanalyst und ehemaliger Pilot bei Thai Airways. «Unsere Standards sind lax, das Problem sind mangelnder politischer Wille und Korruption», sagt er.

«Es gibt nur einen Weg, um mit der rasanten Entwicklung Schritt zu halten: die Regierungen müssen die Kapazität der Regulierungsbehörden deutlich verbessern», sagt Tan. Es tut sich schon etwas: Nach Verbesserungen der Sicherheitsstandards hat die EU ein Flugverbot für Maschinen aus den Philippinen aufgehoben. Thailand bildet mehr Inspektoren aus. Indonesien hat den Erwerb von Maschinen verboten, die älter als zehn Jahre sind. Die Südostasiatische Staatengemeinschaft (Asean) plant eine Regulierungsbehörde, die flächendeckend höchste Sicherheitsstandards durchsetzen soll.



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