In Thailand sind die Krokodile los

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Bangkok (dpa) - Das Zwei-Meter-Krokodil schiebt sich langsam auf einen Betonsockel. Wie zum Gähnen reißt es das Maul auf, und seine messerscharfen Zähne kommen bedrohlich zum Vorschein. Besucher gruseln sich, aber sie haben sicheren Abstand. Eine doppelte Betonwand und Metallgitter sorgen dafür, dass das Reptil aus einer der größten Krokodilfarmen der Welt in Thailand nicht entkommen kann. Das gilt aber leider nicht überall. Es ist Regenzeit in Thailand, und da herrscht Krokodilalarm.

Anfang Oktober sind schon wieder 28 Krokodile aus einem Gehege entkommen, im September waren es 7. Die Behörden sind aufgeschreckt. Das passiert vor allem, wenn schwere Niederschläge Krokodilgruben überschwemmen und die Tiere mangels vernünftiger Sicherung der Anlagen davonkommen. «Die Gesetze sind zu vage, sie sehen nur vor, dass Krokodilgruben stabil und solide gebaut sein müssen», sagt Chanin Sangrungrueng der Deutschen Presse-Agentur. Er ist in der Provinz Ratchaburi 100 Kilometer westlich von Bangkok für die Krokodilfarmen zuständig, wo der jüngste Zwischenfall passierte.

Krokodilzucht ist ein Riesengeschäft in Thailand. Das Land hat eine der größten kommerziellen Krokodilindustrien der Welt. Nach Schätzungen der nationalen Fischereibehörde gibt es 700 000 Tiere im Land. Die allermeisten leben in rund zwei Dutzend Großbetrieben. Die Besitzer verkaufen die Häute für Taschen und Schuhe, das Fleisch zum Essen und das Blut zur Herstellung traditioneller Medizin. Das Geschäft sei im Jahr rund 100 Millionen Euro wert, meint die Agrarbehörde (ACFS).

In so einem Großbetrieb ist auch das Zwei-Meter-Krokodil zu Hause, in Samut Prakan, rund 30 Kilometer südlich von Bangkok. Besitzer Uthen Youngprapakorn hält dort 60 000 Tiere. Er ist Vize-Chef der «Gruppe Krokodilspezialisten», ein Verband, dem laut Webseite Wissenschaftler, Farmer, Händler und Tierschützer angehören. «Man braucht mindestens 1,40 Meter hohe Betonwände und Stahlroste, vor allem in den Ecken der Gruben.» Krokodile seien nämlich bei Gewitter ängstlich. Sie drängten sich in die Ecken, kletterten aufeinander und könnten dann leicht entkommen.

Sorge machen den Experten vor allem kleinere Betriebe. Mehr als 900 Kleinbauern haben Lizenzen zur Krokodilhaltung. Es handelt sich oft um Bauern mit Schweinezucht, die nebenbei ein paar Dutzend Krokodile halten. Sie mästen die Reptilien mit zum Verkauf nicht geeigneten Schweinen, haben aber oft keine guten Sicherheitsstandards. «Sie haben einfach wenig Ahnung», sagt Uthen.

Nach dem Ausbruch der 28 Krokodile Anfang Oktober hat Chanin Alarm geschlagen. Er nimmt die 31 Betriebe in seiner Provinz nun selbst unter die Lupe. «Wer keine sicheren Anlagen hat, muss seine Lizenz abgeben», sagt er. Die 28 Tiere wurden nach wenigen Tagen alle eingefangen oder erschossen. Aber das gelingt nicht immer: Letztes Jahr attackierte ein Krokodil eine buddhistische Nonne beim Gemüsepflücken und biss sie in den Arm. Ein Mann entkam einem Reptil vor seinem Haus mit knapper Not durch den Sprung in sein Auto.

«Ich habe Angst vor Krokodilen«, sagt Supanida Rangsriseneepitak. Sie stammt aus der Provinz, in der die Krokodile ausbüxten. «Ich will in Ruhe zum Fluss gehen können, ohne Sorge, dass mich ein Krokodil anfallen könnte.» Thailand hat zwar im Jahr 25 Millionen Besucher, aber Touristen sind eigentlich nicht gefährdet. Die kleineren Krokodilfarmen liegen fernab der Touristengebiete. Die großen Farmen tragen mit ihren Krokodiltouren zur Bespaßung der Gäste bei. In Samut Prakan unterhalten junge Mitarbeiter an diesem Tag mehr als 100 chinesische Besucher mit einer Show mit Gruselfaktor. Sie sperren etwa das Maul eines Krokodils auf und stecken den Kopf hinein. Die Besucher werfen begeistert Münzen und Geldscheine auf die Bühne.

Foto: ©Asienjournal 



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