Kambodscha: Endstation für die legendäre Bambusbahn

Kambodschas Bambusbahn muss vielleicht bald offiziellen Zügen weichen

Phnom Penh – Eine Bambuspalette, ein kleiner Motor – fertig ist der Bamboo-Train, mit dem Touristen nahe der kambodschanischen Stadt Battambang durch Reisfelder rattern. Was für viele ein Highlight ihrer Kambodscha-Reise ist, wurde in den 1980ern aus der Not geboren, die verfallenen Schienentrassen aus der Kolonialzeit zu nutzen. Seit das Bahnnetz renoviert wird, sind die Tage der Bambusbahn gezählt.

Die improvisierten Wagen – Ausdruck von Kreativität und Unternehmergeist in der infrastrukturarmen Nation – verwandelten sich über die Jahrzehnte in eine beliebte Touristenattraktion. „Es war gut, endlich ein bisschen Wind im Gesicht zu haben“, ruft die 25-jährige Schwedin Josefin Strang nach einer Fahrt in glühender Tropensonne. „Ich bin froh, dass es der Bambuszug war und nicht ein gewöhnlicher Zug, denn die Gleise sind wahrlich nicht so gut in Schuss.“
Jahrzehntelang vernachlässigt

Doch die klapprigen Draisinen in der Provinz Battambang im Nordwesten werden bald offiziellen Zügen weichen müssen. Vor allem für die Fahrer, Kontrolleure und Snackverkäufer rund um die Bambusbahn ist das keine gute Nachricht. „Wir machen uns große Sorgen, wie wir noch unseren Lebensunterhalt verdienen sollen“, sagt Soy Savuth. Der 49-Jährige ist einer von mehreren „Zugführern“ auf der sieben Kilometer langen Strecke. Pro Fahrt verdient er etwas mehr als vier Euro.

Einst führte das unter französischer Kolonialherrschaft gebaute Eisenbahnnetz vom Seehafen Sihanoukville im Südwesten zur Hauptstadt und in den Norden bis zur thailändischen Grenze. Doch nach Bürgerkrieg und jahrzehntelanger Vernachlässigung waren riesige Teilstrecken verfallen oder überwuchert.

Kambodschanische Eisenbahnkultur

Da Autos Luxus und die Straßen in ähnlich schlechter Verfassung waren wie die Schienen, begannen die Kambodschaner in den 1980er-Jahren mit dem Bau kleiner Bambuswagen für den Transport von Menschen und Waren. Die ersten Modelle wurden auf die Schienen gesetzt und mit einer Bambusstange geschoben. Dann ersetzten kleine Benzinmotoren die Stangen. Die waren über einen Keilriemen mit einer der beiden Achsen verbunden und trieben die Wagen mit 15 Stundenkilometern an.

Doch dann wurden die Straßen besser, und die Einwohner nutzten die Bambuszüge – „norries“ in der Landessprache Khmer – immer seltener. Dafür begeisterten sich immer mehr Touristen für die Fahrten, und findige Reiseveranstalter in Battambang nahmen sie als einzigartiges Beispiel kambodschanischer Eisenbahnkultur ins Programm.

Schattenseiten des Renovierung

Bald aber müssten die Betreiber die Strecke räumen, damit die Bauunternehmen sie für den regulären Bahnbetrieb richten könnten, sagt der Leiter des Eisenbahnamts, Chan Samleng: „Sie haben kein Recht mehr, die Strecke zu nutzen und sollten sich andere Jobs suchen“. Kambodscha ist zwar eine der ärmsten, aber gleichzeitig auch eine dynamischsten Nationen Asiens. In den vergangenen Jahren nahm sich der Staat die Renovierung des Bahnnetzes vor – und bereits im April 2016 wurde die Strecke von Phnom Penh nach Sihanoukville für Personenzüge wieder geöffnet. Dutzende Bambusbahn-Betreiber mussten dort bereits weichen.

In Battambang verstrichen schon einige Fristen zur Schließung – ohne Folgen. Soy Savuth und andere Fahrer fürchten allerdings, dass es die Behörden diesmal ernst meinen. Für seine Zukunft sieht er schwarz, sagt er: „Ohne Gleise, die ich befahren kann, werde ich nur schwer einen Job finden“, klagt der 49-Jährige. „Das ist das Einzige, was ich kann. – derstandard.at/2000064711986/Kambodscha-Endstation-fuer-die-legendaere-Bambusbahn



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