Indonesien: Noch gibt es Alkohol – aber nur heimlich

Indonesiens Parlament denkt darüber nach, Alkoholkonsum landesweit zu verbieten – aus religiösen und gesundheitlichen Gründen. In einigen Regionen gilt das schon. Was zum Teil dramatische Folgen hat.

Der Weg zu Jakartas Nachtleben führt durch einen unscheinbaren Nebeneingang. Nichteingeweihte sehen hinter der Stahltür nur eine Herrentoilette. Insider wissen aber, dass das nur Tarnung ist. Sie steuern auf eine Nummerntastatur zu. Der richtige Code verschafft ihnen Einlass in einen dunklen Gang, an dessen Ende Barhocker und Schnaps warten.
Die Geheimnistuerei um den Alkohol ist Kern des Gastronomiekonzepts der Bar im Zentrum der indonesischen Hauptstadt. Ihr passender Name: „Prohibition“ – in Anspielung an das Alkoholverbot in den USA in den 1920er-Jahren. Die Kellner sind gekleidet wie vor 100 Jahren. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Fotos, die Gäste sitzen auf alten Ledersesseln.

Trotz des Retro-Flairs ist die Idee hinter dem Lokal hochaktuell: Indonesiens Parlament will in diesem Jahr darüber entscheiden, ob das Land dem amerikanischen Beispiel aus dem vergangenen Jahrhundert folgen und den Alkoholkonsum landesweit verbieten sollte. Die von konservativen islamischen Politikern geforderte Maßnahme würde auch Urlauber auf der Ferieninsel Bali treffen.

Indonesien erwägt ein landesweites Alkoholverbot

Moderate Kräfte warnen in dem mehrheitlich muslimischen Land, das bisher für seine Toleranz bekannt war, vor schleichender Islamisierung und erheblichen Schäden für die Tourismusindustrie. Schon jetzt ist es bei Reisen durch das Land nicht immer einfach, abends einen Drink zu bekommen.

Den ganzen Tag lief ich kürzlich durch Bogor – eine Stadt südlich von Jakarta, bekannt für ihre riesige tropische Gartenanlage. Angelegt wurde sie von den niederländischen Kolonialherren. Ihre Pflanzen blühen bis heute, die europäische Trinkkultur längst nicht mehr.

Kurz nach 22 Uhr irre ich durch die Stadt, die zwar 320 Regentage im Jahr hat, aber ansonsten lieber trocken bleibt. Die wenigen Restaurants, die noch geöffnet haben, verkaufen keinen Alkohol. Auch in den kleinen Läden gibt es kein kühles Bier: Seit 2015 ist ihnen der Alkoholverkauf landesweit verboten.

Jährlich sterben Dutzende an gepanschtem Alkohol

Einige Regionen gehen mit lokalen Vorschriften noch weiter und setzen bereits jetzt ein vollständiges Alkoholverbot um – nicht nur die Provinz Aceh, in der das Recht der Scharia herrscht und auch Nicht-Muslime wegen des Verkaufs von Schnaps mit Stockhieben bestraft werden können. Auch Städte wie Depok und Demak führten unter religiös-konservativen Bürgermeistern Alkoholverbote ein.

Begründet wurden diese nicht nur mit Vorschriften aus dem Koran, sondern auch mit der Gesundheitsförderung. Die Argumentation hat aber einen Haken. Die Indonesier stiegen massenhaft um auf illegal gebrannten Schnaps. Das Gesöff ist Indonesiens wahres Alkoholproblem. Jährlich sterben Dutzende an Vergiftungen durch gepanschten Alkohol.

Trotzdem wollen die Vertreter islamischer Parteien den legalen Verkauf alkoholischer Getränke im ganzen Land unterbinden. Die erzkonservative Bewegung fühlt sich im Aufwind: In Jakarta brachte sie zuletzt mehr als 100.000 Demonstranten gegen einen christlichen Politiker auf die Straße. In einigen Provinzen konnte sie zum Teil Bekleidungsvorschriften und nächtliche Ausgehverbote für Frauen durchsetzen.

Ihr Kampf gegen Bier, Schnaps und Wein stieß seitens der politischen Elite bisher auf wenig Widerstand: Sich offen gegen religiös motivierte Vorhaben zu wenden gilt auch in den gemäßigten Schichten Indonesiens als wenig opportun.

Sollten sich die Gesetze tatsächlich ändern, könnte die Bar „Prohibition“ Schule machen. Noch ist ihre Ausstattung lediglich unterhaltsamer Gag: Die Weinkarte ist verborgen auf einer Ansichtskarte, das Schnapsregal verschwindet bei Bedarf auf Knopfdruck hinter einer Wand. Die Spielereien erinnern jedoch an eine der Lehren aus der US-Prohibition: Nicht jedes Verbot lässt sich im Alltag durchsetzen.



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