Terror bedroht eine Erfolgsregion

Der Angriff von Verbündeten des "Islamischen Staats" auf eine Stadt auf den Philippinen hat die Presse in ganz Südostasien schockiert.

Als plötzlich schwarze Flaggen über der Stadt Marawi wehten und der philippini-sche Staat seine Armee gegen Verbündete der Terrormiliz "Islamischer Staat" in Marsch setzte, war für die Nachbarn klar: Präsident Rodrigo Duterte könnte schon bald Hilfe benötigen, um den IS daran zu hindern, sich in der aufstrebenden Region festzusetzen. Kann der islamistische Terror den wirtschaftlichen Fortschritt zunichtemachen? Die staatsnahe Zeitung The Straits Times in Singapur spitzt die Frage zwar nicht so zu, doch ist das Thema Terror ständig präsent, etwa wenn Verteidigungsminister Ng Eng Hen betont, wie sehr doch alle auf Sicherheit und Stabilität angewiesen seien, damit die Region weiter aufblühen kann.

Während der wohlhabende Stadtstaat seine Bürger vor möglichen Attacken "einsamer Wölfe", also Einzeltätern, warnt, hat sich die philippinische Stadt Marawi in ein Schlachtfeld verwandelt. Dort verschanzen sich Hunderte Terroristen und missbrauchen Geiseln als Schutzschilde. Während die seriöseste Zeitung in Manila, The Philippine Daily Inquirer, zuletzt unerschrocken über die Exzesse des Anti-Drogen-Krieges ihres Präsidenten berichtete, blickt sie nun täglich auf die Kämpfe im Süden, berichtet über die Strategie der Generäle, lässt aber auch Menschenrechtler zu Wort kommen, die das von Duterte verhängte Kriegsrecht kritisieren. Ein Kolumnist warnt davor zu glauben, es könne eine militärische Lösung geben. Der beste Weg, um den Extremismus einzudämmen, sei ein Friedensprozess mit muslimischen Gruppen, die auf der Insel Mindanao Autonomie fordern.
Das etwas buntere Blatt, der Philippine Star, äußert sich unterdessen kritisch zum Versuch der Regierung, die terroristische Gefahr herunterzuspielen. Manila zweifelt eine internationale Studie zur Sicherheit für Touristen an. In diesem Ranking landen die Philippinen weit hinten, auf Platz 126 von 136. In einem Editorial klagt der Star, dass die Risiken weit über den Terror hinausreichten und nicht nur Touristen beträfen. "Leben auf den Philippinen ist wenig wert, mit Mord kommt man leicht davon."

Unter den Nachbarn wächst die Unruhe. Indonesiens große Qualitätszeitung Kompas etwa griff Warnungen aus der Armeeführung auf, wonach die Krise nach Süden übergreifen könnte. Ein General berief sich auf Hinweise darauf, dass der IS schon seit anderthalb Jahren Südostasien als Zentrum im Blick habe. Für Unruhe sorgte seine Bemerkung, dass in nahezu allen indonesischen Provinzen "Schläferzellen" existierten. Die kleine, aber angesehene englischsprachige Jakarta Post mahnte im Editorial, der Staat müsse dringend seine Terrorabwehr mit Manila abstimmen, weil die Extremisten so mobil und vernetzt sind.

Weniger frei als in Jakarta und Manila ist die Presse Malaysias. Das Blatt The Star gehört einer Partei der Regierungskoalition und machte von sich reden, weil die Besitzer gerade erst die Chefredakteure suspendierten. Die Zeitung hatte über einen malaysischen Terroristen berichtet, der als Drahtzieher der Marawi-Krise eingestuft wird. Die Recherche wurde auf der Titelseite angekündigt, darunter aber platzierten die Blattmacher unkommentiert ein Bild betender Muslime im Ramadan. Dies entfachte einen Sturm, viele dachten, das Foto solle das Terrorthema bebildern. Die Zeitung entschuldigte sich, sprach von einer Panne. Dennoch mussten die Chefs gehen. Malaysias Politiker geben nun gerne den Wächter über den muslimischen Glauben, offenbar glauben sie, dass sie so Wähler gewinnen.



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