Singapur: Rauchen erlaubt – aber nur mit fünf Meter Abstand

Singapur ist eine schöne Stadt – sie ist aber auch eine Stadt der Strafen. Allein eine achtlos auf die Straße geworfene Zigarette kann bis zu 400 Euro kosten. Und doch finden Raucher ihre Nischen.


Raucher auf Reisen haben einen Blick für Details. Wie verschlungen die Wege auf großen Flughäfen auch sein mögen, das universell verständliche Zeichen in Form einer Zigarette entdecken sie immer.

Zielstrebig bahnen sich die Verbannten ihren Weg in die vernebelten Glaskästen, die völkerverbindender als so mancher UN-Gipfel sein können. Kulturelle und sprachliche Grenzen lösen sich eben schnell in Rauch auf, wenn man nach einem zehnstündigen Flug dringend Feuer braucht.

Gerade im Ankunftsbereich der Flughäfen aber wandert der suchende Blick der Raucher nach einem der letzten Refugien ihres Lasters oft ins Leere. Da hüpft das gepeinigte Raucherherz besonders freudig, wenn schon von der Gangway aus sichtbar ein großes Schild den Weg zur „Smoking Area“ weist. Zeigt sich dieser Anblick ausgerechnet am Flughafen Singapur, mischt sich in die Begeisterung ein Hauch von Verwirrung.
Eine Kippe kann Raucher in Singapur 400 Euro kosten
Zwar gilt Singapur spätestens seit der Lockerung des strikten Kaugummi-Verbotes 2004 nicht mehr als hypersterile Lichtung im Regenwald, das Image des vermeintlichen Paradieses für militante Nichtraucher aber hält sich hartnäckig. Die „fine city“ macht ihrem doppeldeutigen Beinamen noch immer alle Ehre: Singapur ist eine schöne Stadt – und eine Stadt der Strafen, vor allem für rauchende Besucher.
Gerade mal 17 Zigaretten darf jede Person bei der Einreise dabei haben, ansonsten droht eine Geldstrafe in Höhe des zehnfachen Preises, zu dem die jeweilige Marke in Singapur verkauft wird. Zigaretten in Singapur sind teuer, knapp sieben Euro kostet die Schachtel hier.
Die Strafen für achtlos auf die Straße geworfene Zigaretten sind ähnlich rabiat: Bis zu 400 Euro pro Stück oder öffentlicher Reinigungsdienst warten auf den rauchenden Sünder. Hat man all das bei der ersten Zigarette auf singapurischem Boden noch einmal rekapituliert, geht es zur Passkontrolle, dann zur Gepäckausgabe und schließlich direkt in die feuchte Tropenluft.
Aschen Sie nicht auf den Boden!
Für die verbleibenden 16 nikotinhaltigen Mitbringsel interessieren sich die vor dem Ausgang postierten Zollbeamten dann aber herzlich wenig. Das Taxi braust nun über die viel beschworenen sauberen Straßen Singapurs, als beim Blick aus dem Fenster eine spektakuläre Entdeckung neue Fragen aufwirft: Ein junger Mann schlendert draußen vorbei – rauchend!
Werden wir gerade Zeugen eines Verbrechens? Was wird er mit den qualmenden Überresten seines sündigen Genusses tun?
Eine Antwort auf die letzte Frage hat die neue Reise- und Raucherbekanntschaft im Rentenalter parat, die ebenfalls an der nun anstehenden Sightseeingtour teilnimmt. Im Schatten der wartenden Reisebusse zaubert die rüstige Australierin einen verschließbaren Mini-Aschenbecher aus ihrer Handtasche. „Ich habe mich informiert“, erklärt sie feierlich, „solange man fünf Meter Abstand zu den Gebäuden hält und nicht auf den Boden ascht, macht man sich nicht strafbar.“
Ihr Gatte schaut sich trotzdem immer wieder um, während er verstohlen an seiner Zigarette zieht. Dann muss er lachen: „Da fühlt man sich mit über 70 noch mal wie 17. Ich sag‘ ja immer, Reisen hält jung.“
Nervenkitzel wie bei der ersten heimlichen Zigarette?
Drei Stunden, eine Stadtrundfahrt und zwei Raucherpausen später ist es vorbei mit dieser Verjüngungskur der besonderen Art. Denn nicht nur direkt neben dem Wahrzeichen der Stadt, der Merlion-Statue, sondern auch vor den Bürotürmen im Finanzdistrikt, den Shopping-Malls an der Orchard Road und auf den meisten Restaurant-Terrassen gibt es ganz offizielle Raucherzonen. Nervenkitzel wie bei der ersten heimlichen Zigarette? Fehlanzeige.
An der Marina Bay warten sogar eigens hergerichtete Pavillons mit Musikbeschallung auf rauchende Flaneure. Menschen aus aller Welt stehen hier einträchtig beisammen, während sich weißer Qualm vor der glitzernden Skyline verliert und im Hintergrund „What A Wonderful World“ läuft.
Wen dieses singapurische Idyll nun zu sehr verwirrt, der sei beruhigt – nur wenige Meter weiter erinnert ein Schild daran, was jenen blüht, die ihrem Laster jenseits der ausgewiesenen Bereiche frönen: Eine Strafe von rund 660 Euro. Mindestens. Singapur ist eben eine „fine city“.



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