Religionen in Indonesien beten vereint gegen die Pandemie

Drei Menschen, die zusammen beten

„Gemeinsam überleben und Prüfungen bestehen“

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Menschen verschiedener Religionen wurden zum gemeinsamen globalen Gebetstag gegen die Pandemie aufgerufen. Auch im von religiösen Spannungen geplagten mehrheitlich islaminschen Indonesien kamen die Religionen zusammen.

Für die katholische Kirche nahm Kardinal Ignatius Suharyo Hardjoatmodjo am Donnerstag an dem offiziellen Gebet mit Präsident Joko Widodo und Vizepräsident Ma’ruf Amin, einem hochrangigen konservativen islamischen Kleriker, teil. In seinem Gebet habe der Präsident Gott um Kraft und Geduld gebeten, „damit wir alle überleben und die Prüfungen bestehen können“, zitierten ihn indonesische Medien. Unter den Teilnehmern waren auch Vertreter der Protestanten, Buddhisten, Hindus und Konfuzianer.

In Indonesien waren am 14. Mai 15.438 Coronafälle registriert, 1.028 Menschen sind bisher an der Virusinfektion gestorben. Betroffen vom Lockdown sind auch die Moscheen während des noch bis 23. Mai dauernden Ramadan.

Aufruf zum gemeinsamen Gebet

Der „Hohe Ausschuss für menschliche Geschwisterlichkeit“ der drei monotheistischen Religionen Islam, Christentum und Judentum hat alle Menschen für den 14. Mai zum Gebet gegen die Corona-Pandemie aufgerufen. Der Ausschuss aus hochrangigen Vertretern der drei Religionen entstand nach der Unterzeichnung des „Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen“ durch Papst Franziskus und den Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Universität im Februar 2019 in Abu Dhabi.

Größte muslimische Bevölkerung in Indonesien

Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit. Die Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Die fünf Pancasila genannten Verfassungsprinzipien berufen sich auf den „Glauben an den Allmächtigen Gott“, ohne diesen Gott aber ausdrücklich einer bestimmten Religion zuzuordnen.

Die in den vergangenen Jahren erstarkte islamistische Bewegung bekämpft die Pancasila und hat die Errichtung eines islamischen Gottesstaates zum Ziel. Staatliche Initiativen, durch vermehrte interreligiöse Treffen Harmonie und gegenseitigen Respekt zu stärken, stößt auf islamistischen Widerstand. Im Februar forderte das ultrakonservative „Islamic Organization Forum“ (Formasi) ein Ende solcher Veranstaltungen.