Malaysia hat die weltweit schlechteste Atemluft

Eine Touristin fotografiert die Petronas-Zwillingstürme, die im Smog fast verschwinden.

 
 
 

In Südostasien herrscht wieder einmal dicke Luft. Rauchschwaden verdunkeln den Himmel und erschweren den Menschen das Atmen – und Regen ist nicht in Sicht. Grund für die Luftverschmutzung sind Brandrodungen, vor allem im benachbarten Indonesien. Man spricht von Klimaschutz, brennt aber Wälder und Buschlandschaften ab.

Malaysias Städte halten derzeit einen unrühmlichen Rekord: Sie weisen die weltweit schlechteste Luftqualität aus. Die Hauptstadt Kuala Lumpur ist seit Tagen in einen dichten Schleier mit Rauchpartikeln gehüllt, der die Silhouette der Metropole praktisch verschwinden lässt. Fast geisterhaft ragen dabei die einzelnen Türme wie die Petronas-Towers gen Himmel. Auch dem ultramodernen und spiegelglatten Regierungssitz Putrajaya ist jeder Glanz abhanden gekommen. In Port Dickson an der Westküste sind seit Dienstag alle Schulen geschlossen. Auf der Skala des World-Air-Quality-Index werden die einzelnen Werte inzwischen als «sehr ungesund» eingestuft.

Offene Feuer und glimmende Böden

Der Grund für die Misere liegt im benachbarten Indonesien. Auf der Insel Sumatra, die weniger als 100 Kilometer entfernt liegt, brennen riesige Flächen von Buschland und Waldgebiete. Dies nicht nur wegen der anhaltenden Trockenperiode: Nach wie vor werden dort Brandrodungen zur Gewinnung von landwirtschaftlich nutzbaren Zonen eingesetzt. Sowohl auf Sumatra als auch auf der weiter östlich gelegenen Insel Borneo (Kalimantan) werden derzeit Hunderte sogenannter Hotspots verzeichnet. Es handelt sich um offene Feuer oder um glimmende Böden, die zum Teil wochenlang für Rauchemissionen sorgen.

Die schlimmsten Zustände herrschen derzeit im indonesischen Pekanbaru sowie im malaysischen Gliedstaat Sarawak. Dessen Provinzhauptstadt Kuching präsentiert sich aufgrund der Rauchschwaden auch tagsüber wie eingedunkelt. In weiten Teilen Borneos, das zu vier Fünfteln zum indonesisches Staatsgebiet zählt, wüten derzeit Buschbrände, die praktisch die ganze Insel braungrau einfärben. Je nach Windverhältnissen wird dabei entweder der nördliche malaysische Teil in Mitleidenschaft gezogen oder die Nachbarinseln.

Formel-1-Rennen im Dunst

Zu Letzteren gehört seit Tagen auch Singapur. Die sonst so gute Luftqualität im Stadtstaat ist erstmals seit 2015 wieder auf gesundheitsgefährdende Werte gesunken. Sie wird mit dem Pollutant-Standards-Index (PSI) gemessen, wobei bereits ein Mass von 100 als ungesund gilt. In der Folge blieben Schulen geschlossen, und die Behörden rieten fürs Wochenende von sportlichen Aktivitäten ab.

Bleibt es bei der Trockenheit, könnten Luftverschmutzung und Eintrübung das Ausmass von 2015 erreichen. Damals hingen die «Haze»-Wolken wochenlang über der Republik und stellten sogar die Austragung des nächtlichen Formel-1-Rennens infrage. So schlimm ist es heuer noch nicht. Aber die weitere Entwicklung ist unberechenbar. Regen ist jedenfalls weit und breit nicht in Sicht.

Regenmacher im Einsatz

Sowohl Indonesien als auch Malaysia haben diese Woche sogenannte «Regenmacher» eingesetzt. Es handelt sich um Spezialflugzeuge, mit denen Chemikalien versprüht werden, wodurch Luftfeuchtigkeit in Regentropfen umgewandelt wird. Solche Einsätze schaffen indessen nur temporär und lokal Abhilfe. Das Hauptproblem bleiben die Trockenlegung der Nassgebiete und die Brandrodungen durch Menschenhand.

2015 war Indonesiens Staatspräsident Joko Widodo persönlich nach Sumatra und Borneo gereist, um diese unter der Landbevölkerung verbreiteten Gewohnheiten anzuprangern. In diesem Zusammenhang sollen in diesem Monat bereits etwas 200 Personen festgenommen worden sein. Auf Borneo und Sumatra sind inzwischen Tausende von Feuerwehrleuten und Freiwillige zur Brandbekämpfung im Einsatz.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Der «Haze» ist nicht nur der Rauchschwaden wegen ein transnationales Problem. Auch ausländische Firmen, die in Indonesien Plantagen unterhalten, werden der Brandrodung beschuldigt. So hat die indonesische Regierung am Wochenende die Gelände von je zwei Unternehmen aus Malaysia und Singapur abgeriegelt. Solche Massnahmen dienen auch dazu, den Nachbarländern klarzumachen, dass die Schuldfrage nicht so eindeutig ist.

An gegenseitigen Schuldzuweisungen fehlt es denn auch nicht. Mit Satellitenaufnahmen versuchen Malaysia und Indonesien zu beweisen, dass die Hotspots mehrheitlich im jeweils anderen Land liegen. Grosse Einigkeit herrscht jedoch bezüglich der Tragweite des Problems: Es existiert seit 20 Jahren und macht alle regionalen Bekenntnisse zum Klimaschutz zu Makulatur.