Indonesien auf dem (Ab)Holzweg

Plantagen auf Borneo: Indonesien produziert etwa 30 Millionen Tonnen Palmöl im Jahr

 
 
 

Indonesien ist der größte Palmölproduzent der Welt. Ein Satellitenbild zeigt, wie für den Anbau in großem Stil Regenwald gerodet wird. Die Prognosen sind düster.

Gut möglich, dass Sie heute morgen ein Stückchen Regenwald auf dem Frühstücksteller liegen hatten – jedenfalls im übertragenen Sinne. Denn Palmöl ist das weltweit am häufigsten verwendete Pflanzenöl und steckt unter anderem in Brotaufstrichen, Tiefkühlpizza und Schokolade.

Um die Ölpalmen anzubauen wird in Indonesien seit Jahren wertvoller Regenwald gerodet. Nicht nur das einzigartige Ökosystem am Amazonas, wo seit Wochen heftige Brände wüten, ist durch den Raubbau in Gefahr, sondern auch der uralte Baumbestand des größten Inselstaats der Erde.

Der Erdbeobachtungssatellit „Sentinel-2“ aus dem Copernicus-Programm der Europäischen Union hat im Februar 2019 Palmöl-Plantagen im Osten der indonesischen Insel Borneo dokumentiert. Die Aufnahme hat die Europäische Weltraumbehörde Esa nun veröffentlicht.

Zu sehen sind verschiedene Stadien des Rodungsprozesses im Regenwald. Die grünen Karos zeigen etablierte Palmölfarmen, die hellbraunen Bereiche markieren erst kürzlich aus Regenwald gewonnenes landwirtschaftliches Gebiet. Drum herum erscheint der dichte Wald in dunklem grün.

Indonesien ist der größte Palmölproduzent weltweit

Die Früchte der Ölpalme können das ganze Jahr über geerntet werden. Dabei produzieren die Pflanzen mehr als acht Mal mehr Öl pro Fläche als andere bekannte Nutzpflanzen wie Soja. Das sind eigentlich gute Eigenschaften, wenn es darum geht, die Umweltauswirkungen durch den Anbau möglichst gering zu halten. Doch die Nachfrage nach Speiseöl ist riesig und so werden trotz der Effizienz der Pflanzen immer neue Flächen für den Anbau gerodet .

Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist die weltweite Produktion zwischen 1980 und 2013 von jährlich 5 Millionen Tonnen auf 55 Millionen Tonnen gestiegen – und wird Prognosen zufolge weiter wachsen.

Auch Indonesien hat seinen Anbau in der Zeit deutlich verstärkt und Malaysia 2006 als Land mit der höchsten Palmölproduktion abgelöst. Heute werden dort jährlich knapp 30 Millionen Tonnen Öl hergestellt. Gemeinsam produzieren beide Staaten etwa 85 Prozent des weltweiten Palmöls.

Mit dem Verlust des indonesischen Regenwalds schwindet der Lebensraum für einzigartige Tierarten. Das wohl bekannteste Beispiel sind die Orang-Utans auf Borneo. Die Weltnaturschutzunion listet sie seit Jahren als vom Aussterben bedroht. Sie schätzt die Größe der Population noch auf etwa 100.000 Tiere, es könnten aber auch deutlich weniger sein. Zusätzlich werden beim Roden schädliche Klimagase frei.

Umweltfreundliche Alternativen zu Palmöl sind rar

Umwelt- und Klimaschützer versuchen in groß angelegten Kampagnen immer wieder, Verbraucher vom Palmölverzicht zu überzeugen. Das Problem: Die Alternativen sind oft noch Schädlicher. Für Kokos-, Soja- und Rapsöl benötigt man laut einer WWF-Studie aus dem Jahr 2016 noch weitaus größere Anbauflächen als für Ölpalmen. Ein Umstieg könnte der Natur somit erst recht schaden.

Zum Vergleich: Aus Ölpalmen können durchschnittlich 3,3 Tonnen Öl pro Hektar gewonnen werden, bei Raps, Kokos und Sonnenblumen liegt der Wert gerade mal bei rund 0,7 Tonnen, bei Sojapflanzen nur bei 0,4 Tonnen. Da Soja und Kokos ebenfalls in den Tropen angebaut werden, müsste für ihren Anbei selbst bei stabiler Nachfrage mehr Regenwald gerodet werden als für Palmöl.

Daraus folgt eine unangenehme Wahrheit: Der Regenwald lässt sich nur dann schützen, wenn Verbraucher weltweit ihr Essverhalten ändern. Mit Blick auf Palmöl bedeutet das vor allem: Weniger Fertiggerichte wie Tiefkühlpizza, Brotaufstrich, Eiscreme und Knabberwaren.