Wohnungsnot auf den Philippinen: Leben zwischen Toten


 
 
 

Auf einem Friedhof in Manila wohnen etwa 6000 Menschen – die Mausoleen und Gräber bewahren sie vor der Obdachlosigkeit. Das Areal hat sich zu einem eigenen Viertel entwickelt, mit Kiosken und Fernsehern.

n der Metropolregion Manila leben fast 13 Millionen Menschen, auf einer Fläche, die kleiner ist als Hamburg. Es ist nicht nur eng und voll, auch die Wohnungsnot in der Hauptstadt der Philippinen ist riesig, besonders beim ärmeren Teil der Bevölkerung. Nach Schätzungen von Hilfsorganisationen sind etwa drei Millionen Menschen in Manila obdachlos, mehr als in jeder anderen Stadt auf der Welt.

Die Not hat eine bizarre kleine Siedlung hervorgebracht: Etwa 6000 Menschen wohnen auf dem „Manila North Cemetery“, einem Friedhof – in Mausoleen, auf Gräbern, zwischen Gebeinen.

Der Fotograf Claudio Sieber hat eine Woche auf dem „Norte“ verbracht, wie die Einheimischen den Friedhof nennen. Schon seit den Fünfzigerjahren beherbergt der „Norte“ nicht nur Tote, sondern auch Lebende. Aus der Notlösung ist für viele ein Dauerzustand geworden, einige sind auf dem Friedhof geboren und dort zu Eltern und Großeltern geworden.

Über die Jahre haben sich die Bewohner eine eigene Infrastruktur aufgebaut. Es gibt Kioske, viele haben Fernseher in „ihren“ Mausoleen, einige sogar eine Klimaanlage.

„Es kam mir zunächst vor wie in einem normalen Stadtviertel, wären da nicht die ganzen Grabsteine“, sagt Sieber. Im Vergleich zu den zahlreichen Slums der Stadt sei es auf dem „Norte“ fast gemütlich und wahrscheinlich auch sicherer. Trotzdem träumen die meisten Bewohner davon, irgendwann genug Geld zu verdienen, um den Friedhof zu verlassen.

Die größte Gefahr für die Siedlung geht von der Regierung aus. Immer wieder gibt es Gerüchte, dass der Friedhof geräumt werden soll. Auch der brutale „Krieg gegen Drogen“ von Präsident Rodrigo Duterte macht vor dem „Norte“ nicht halt. Laut „Guardian“ wurden mehrere Bewohner bei Razzien von der Polizei getötet.