Philippinen, das vielseitige Inselparadies


 
 
 

Sie sind in der Regel nicht die erste Destination, die Asienreisende ansteuern. Das hat auch Vorteile: Viele Gebiete des Inselstaates sind touristisch noch wenig erschlossen und bieten Unbekanntes und Überraschendes.

Es ist kühl in der Blockhütte und die Wolldecke in der Nacht höchst willkommen. Trotz Äquatornähe: Auf über 2000 Metern über Meer präsentieren sich Temperatur und Vegetation auf den Philippinen fast wie in den Alpen. Kiefern wachsen auf fast kahlen Felsen, und schmale Passstrassen schlängeln sich atemberaubend durch die Landschaft. Wer mit der Vorstellung von flachen tropischen Strandinseln angereist ist, staunt ob der Vielfalt des Archipels. Vulkane und tektonische Erdbewegungen haben eine Landschaft geformt, die immer wieder interessante Ein- und Ausblicke ermöglicht.

Das türkisfarbene Meer mit oft schneeweissen Stränden ist jedoch nie weit entfernt.

An der begleiteten Rundreise von Vögele Reisen, die auf fünf landschaftlich unterschiedliche Inseln führt, nehmen mehrheitlich Schweizer Stammgäste teil. Viele haben die Philippinen als Reiseziel gewählt, weil die Destination neu ins Programm aufgenommen worden ist. Nebst einer Schweizer Reiseleitung werden die Gäste vor Ort durch einen philippinischen Reiseführer begleitet. «Gerry», wie er sich nennt, hat 16 Jahre in Deutschland als Krankenpfleger gearbeitet.

Das Land hat eine lange Kolonial­geschichte. Nach der Entdeckung durch Ferdinand Magellan vor fast 500 Jahren wurden die Philippinen durch die Spanier beherrscht und ausgebeutet.

Den Namen «Las Islas Filipinas» erhielten sie nach dem Infanten und späteren König Philipp II.

Die Filipinos seien nicht sonderlich gut auf die spanischen Kolonialherren zu sprechen, erklärt Gerry. «Positiver stehen sie den Amerikanern gegenüber, denen das Land von 1898 bis 1946 gehörte. Diese leisteten immerhin einen Beitrag an die Entwicklung, indem sie vielerorts Schulen und Spitäler bauten.» Spanisch wird heute kaum noch gesprochen, Englisch dagegen wird von der Grundschule an unterrichtet. Die zahlreichen Schnellimbisse nach amerikanischem Vorbild zeigen, dass dieser Lifestyle beliebt ist.

Einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor stellen die rund zehn Millionen Filipinos dar, die im Ausland arbeiten und das Geld in die Heimat überweisen.

Philippinische Frauen arbeiten in Hongkong, Singapur, Taiwan und arabischen Ländern als Haus- und Kindermädchen oder Krankenschwestern. Viele Männer heuern als Seeleute an. Wer im Land bleibt, versucht sein Glück oft in der Hauptstadt Manila.

Manila, anziehend und abstossend zugleich

Die grassierende Landflucht hat Manila zu einem Moloch mit über 14 Millionen Einwohnern anwachsen lassen, und es werden täglich mehr. Das Verkehrschaos ist enorm. Im Geschäftsviertel Makati mit seinen Hochhäusern, an denen Leuchtreklamen internationaler Grosskonzerne prangen, haben Läden und Restaurants durchaus westliches Niveau. Der Grossteil der Einwohner lebt dicht gedrängt in niedrigen Wohnbauten, viele auch in Slums. Überall flattert frisch gewaschene Wäsche im Wind.

In den engen Gässchen gibt es unzählige winzige Läden und Marktstände. Hektisch ist das Gewusel aus Fussgängern, Motorrädern Autos und den Jeep­ney genannten Minibussen. Fliegende Händler versuchen, von Kampfhähnen bis Zigaretten alles Mögliche zu Geld zu machen. Schon kleine Kinder verdingen sich als Autoscheibenreiniger oder verkaufen Getränke und Süssigkeiten. Im ehrwürdigen «The Manila Hotel», wo die Reisegruppe logiert, ist von diesem harten Leben allerdings wenig zu ­spüren.

Luzon, die grösste und vielseitigste Insel

Die Philippinen bestehen aus über 7000 Inseln und Inselchen. Zusammengezählt ergibt sich eine Landesfläche, die in etwa jener Italiens entspricht. Luzon ist die grösste Insel des Archipels und die sechzehntgrösste Insel der Welt. Hier befinden sich einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Philippinen. In Manila lohnt sich die Besichtigung der Altstadt, des spanischen Forts Santiago, der Kirche San Augustin, des Denkmals für den Nationalhelden José Rizal und des Ayala-Museums, wo präkoloniale Goldarbeiten ausgestellt sind.

Die Reise führt die Gruppe am nächsten Tag im Bus durch die üppigen Reisfelder von Zentralluzon in den Norden der Insel.

An den Strassenrändern wird der Reis, die Hauptnahrung der Bevölkerung, zum Trocknen ausgelegt.

Allerdings reicht die Produktion nicht für den Eigenbedarf. Ein Teil des benötigten Reises muss aus Thailand importiert werden. Von Banaue aus lassen sich mit den typischen Jeepneys die berühmten Reisterrassen in der Nähe besichtigen. Sie wurden vor über 2000 Jahren erbaut und gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Ihr Fortbestand ist gefährdet, da immer weniger Filipinos bereit sind, die harte und schlecht bezahlte Arbeit in den Reisfeldern auf sich zu nehmen.

Kirchen im Erdbebenbarock

Die Spanier haben auf den Philippinen einige Bauwerke hinterlassen, die heute zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Vigan ist ein charmantes Städtchen, mit einer ganz im Kolonialstil gehalten Altstadt. Weitere Bauwerke auf Luzon sind die im sogenannten Erdbebenbarock gehaltenen Kirchen San Agustín in Paoa und die St.-Williams-Kathedrale in Laoag City. Was auffällt: Hier sind die Kirchen keine toten Bauwerke, sondern werden durch die frommen Filipinos belebt. Am Sonntag finden in manchen Kirchen den ganzen Tag über Gottesdienste statt. Bis zur Ankunft des Islams im 14. und des Christentums im 16. Jahrhundert verehrten die Filipinos Naturgeister.

Der muslimische Süden hat sich bis heute dem christlichen Glauben widersetzt.

Grosse Gebirgszüge prägen den Norden der Insel Luzon. Am markantesten sind die Kordilleren mit dem fast 3000 Meter hohen Berg Pulag. Im zentralen Bergland lebten noch bis in jüngere Zeit Kopfjäger, unter ihnen die Igorot und Ifugao. Im Museum von Bontoc zeugen Ausstellungsgegenstände und historische Fotos von deren Lebensweise. Hier wird auch der spezielle Totenkult dieser Völker beschreiben. Im Dorf Sagada zeugen die berühmten hängenden Särge in den Felsen davon. Auf diese Weise sollen die Toten genug frische Luft haben und wieder mit der Natur in Verbindung treten können, so der Glaube.

Exotische Pflanzen- und Tierwelt auf Cebu und Bohol

Mit einem Inlandflug geht die Reise weiter nach Cebu City. Neben der quirligen Stadt mit dem grossen Markt ist vor allem das hügelige Umland einen Ausflug wert. Hier wachsen in botanischen Gärten viele tropische Pflanzen und Blumen.

Per Schiff geht die Reise weiter auf die Insel Bohol. Sie ist bekannt für die Schokoladenhügel. Allerdings wächst hier keine Schokolade. Den Namen haben die kugelrunden Berge von einem Gras, das sich in der Trockenzeit braun verfärbt.

Auf den Philippinen leben über 5000 Tierarten. Eine besonders bemerkenswerte Spezies ist das Koboldmaki: Die winzigen Primaten wiegen nur etwa so viel wie eine Tafel Schokolade, können aber bis zu fünf Meter weit springen. Weil die Tiere nachtaktiv sind, kann man sie im Schutzgebiet nur schlafend beobachten.

Aber ab und zu öffnen sie ihre übergrossen Augen und schauen den Besucher mit verträumtem Blick an.

Panglao, die letzte Station der Reise, kommt dem Klischee der Trauminsel ziemlich nahe. Sie ist bei Tauchern beliebt. Hier lässt es sich unter Palmen wunderbar ausspannen. Zahlreiche Strandbeizli locken am Abend zu kulinarischen Ausflügen. Die Küche der Phi­lippinen vereinigt spanisch-mexikanische, chinesische, indische, japanische und amerikanische Einflüsse.

Scharfe Gerichte finden sich kaum auf der Speisekarte.

Mit Ausnahme der islamischen Regionen ist Schweinefleisch beliebt. Es wird gerne in Form von Spanferkel gegessen. Fisch und Meeresfrüchte sind allgegenwärtig. Ein gewöhnungsbedürftiger Anblick ist Balut, ein angebrütetes Ei, das mitsamt dem Küken verspeist wird. Wein wird auf den Philippinen nicht angebaut. Getrunken werden das eigene Bier und ein hervorragender Rum, der aus einheimischem Zuckerrohr gebrannt wird. Eine lokale Spezialität ist der «Wein» der Kokospalme.

Robinsongefühle

Auf Panglao empfiehlt es sich, einen Ausflug mit einem typischen Auslegerboot auf Pamilacan Island zu unternehmen. Das nur von wenigen Einheimischen bewohnte Eiland lässt Robinson-Gefühle aufkommen. Nach dem Genuss des üppigen Mittagsbuffets, das für die Gäste unter Kokospalmen aufgebaut wird, kann man im vorgelagerten Korallenriff einen Schnorchelausflug machen. So stellt sich der winterbleiche Europäer wohl das Paradies vor.